Beim Kochen stehen Trierer Weihbischöfe Rede und Antwort - "Meet your Bischof" beim Online-Kochabend zum Thema Zuversicht

von Anna Fries (KNA)

In lockerer Atmosphäre kamen heitere und ernste Themen auf den Tisch. So plauderten die Weihbischöfe Gebert und Peters beim Kochen über die Pandemie und Probleme in der Kirche. Und sie gaben Einblicke in ihr Leben.

Trier (KNA) Vor dem Start testet Weihbischof Jörg Michael Peters noch schnell die Gewürze: Salz- und Pfeffermühle drehen, den Zimt probieren. Weihbischof Franz Josef Gebert klemmt sich ein schwarz-weiß kariertes Handtuch in den Gürtel. Kameras und Mikrofone sind aufgebaut. Dann kann es losgehen. Einmal in der Woche etwa kochen die beiden Weihbischöfe seit Corona zusammen, erzählen sie. Am Mittwochabend wollen sie in der Katholischen Familienbildungsstätte Trier im Rahmen der Heilig-Rock-Tage andere daran teilhaben lassen.

Zu dem Online-Kochabend sind über Zoom rund 65 Haushalte zugeschaltet. Die Weihbischöfe geben an dem Abend nicht nur Kochtipps, sondern auch Einblicke in das Bischofsleben abseits öffentlicher Funktionen – und stehen den Zuschauern Rede und Antwort zu allen Fragen, die im Chat aufkommen: Von "Wie wird man eigentlich Weihbischof" bis zu "Wie stehen Sie zur Missbrauchsaufarbeitung der Kirche". Dabei begleiten sie zahlreiche Kameras und Mikrofone, damit die Zuschauer zu Hause möglichst viel miterleben können. Deren Bilder sind in der Mitte der Küche auf einen großen Bildschirm projiziert. Manche Teilnehmer kochen zu Hause gleich mit, andere schauen zu und wollen die Rezepte später nachkochen. Wer möchte, kann die Veranstaltung auf Youtube www.youtube.com/watch) nachgucken.

Inhaltlich soll es um das Thema Zuversicht gehen - passend zum Leitwort der Heilig-Rock-Tage, die noch bis Sonntag im Bistum Trier stattfinden. Doch erst einmal steht das Kochen klar im Vordergrund. Es gibt lauwarmen Spargelsalat, Pasta Carbonara ohne Speck, dafür mit Spargel und Apfelstrudel mit Eis. Alle Beteiligten live vor Ort haben einen Corona-Test gemacht, so die Erklärung, warum die Protagonisten beim Kochen keine Maske tragen.

"Franjo ist ein exzellenter Koch", sagt Peters über Gebert. "Franjo" - so nennt Peters den Kollegen - gerät beim Kochen auch regelrecht ins Schwärmen, erzählt von seiner Ausbildung als Weinhandelsküfer, der Studienzeit in Rom, der italienischen Küche und gibt praktische Koch-Tipps, wie etwa Zwiebeln 15 Sekunden in der Mikrowelle die Schärfe zu nehmen. Kochen ist eine Leidenschaft von ihm, so viel wird klar. Je abwechselnd werkeln die beiden mit Spargel, Nudeln, Salatsauce und Pfannen, während der jeweils andere Zuschauerfragen beantwortet.

So erklärt Peters etwa sein Rezept für den Zitronenlikör Limoncello, während es bei Gebert am Herd zischt und brutzelt.

Organisiert wurde der Abend von den katholischen Familienbildungsstätten (FBS) und der katholischen Erwachsenenbildung (KEB) im Bistum. Das Format soll ermöglichen, die beiden Weihbischöfe von einer anderen Seite als in ihrer offiziellen Funktion kennen zu lernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Gebert erzählt, er genieße es, beim Kochen etwas mit den Händen zu gestalten und ein Ergebnis zu sehen. Denn bei der Arbeit führe er viele Gespräche, deren Wirkung sich oft erst viel später zeige. Peters erzählt Anekdoten aus seinem Leben, etwa wie er andeutungsweise erfahren habe, dass er Weihbischof werden solle und daraufhin eine schlaflose Nacht hatte. Und dass man bei einer solchen Ernennung wenige Möglichkeiten zur Mitsprache habe - außer "Ja oder Nein" zu sagen.

Nach eineinhalb Stunden Kochen folgt der gemütliche Teil; die Weihbischöfe und Moderatoren wechseln zum Essen an den Tisch. In die heitere Atmosphäre streuen die Zuschauer immer wieder auch ernste Fragen. Und nicht immer haben die Bischöfe prompt eine druckreife Antwort, entwickeln vielmehr ein Gespräch. "Wie können Homosexuelle Zuversicht durch die Kirche erfahren?", fragt ein Teilnehmer im Chat. "Durch das persönliche Gespräch", ist Peters überzeugt. Und fügt hinzu: "Ich glaube nicht, dass Gott mit dem Zeigefinger über unserem Leben steht."

Auch das eigentliche Thema des Abends - Zuversicht - findet Platz. Ob etwa gesellschaftliche Solidarität die Pandemie überdauere? Und was die schwierige Zeit für Familien bedeute? "Zuversicht kann man nicht verordnen oder überstülpen", ist Gebert überzeugt. "Das ist das Ergebnis einer inneren Haltung." Es gelte, Ansatzpunkte zu finden, bei allen Schwierigkeiten positiv nach vorne zu schauen. Ein Rezept wie beim Kochen gebe es nicht.